Trotz Schluckstörungen den Genuss am Essen und Trinken nicht verlieren

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Intensivfortbildung soll die Lebensqualität im Alter verbessern helfen und auch Risiken minimieren

Viele Studien belegen, dass immer mehr Menschen in den Senioreneinrichtungen aus verschiedenen Gründen unter Schluckstörungen (Dysphagie) bzw. an einer altersbedingten Schluckstörung (Presbyphagie) leiden.

Diesem vielschichtigen Themenkomplex widmet sich für alle seine Senioreneinrichtungen der Caritasverband Bottrop in einem zweijährigen Fortbildungsprojekt. Das Ziel aller Bemühungen ist der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität aller betroffenen Bewohner und besonders die Freude und Lust am Essen und Trinken sowie den Genuss daran zu erhalten oder steigern.

„Unter den Senioren in einer vollstationären Pflegeeinrichtung sind das Essen und Trinken und auch die Qualität desselben das Thema und auch Qualitätsmerkmal der Unterbringung schlechthin“, weiß Irena Glomb, Einrichtungsleitung im Haus St. Johannes in Kirchhellen. Dies spiegelt sich in den jährlich durchgeführten Bewohnerbefragungen, Angehörigen- und vielen Einzelgesprächen wieder. Leidet der Mensch unter einer Schluckstörung, kommt es zu einer Situation der Mangelernährung (Malnutrition) und/oder Austrocknung (Exsikkose). Die ein Verschlucken auslösenden Speisen und Getränken werden vermieden und führen so zu einer weitreichenden Veränderung des Allgemeinzustandes. Die reduzierte Schluckfrequenz führt zudem zu einer Schwächung aller am Schluckvorgang beteiligten Muskelsysteme (Atrophie) und verstärkt damit die Problematik. Eine Schwächung des Immunsystems und eine, das Dekubitus Risiko erhöhende, verschlechterte Wundheilung verschärfen die Problematik.

In den Fortbildungen geht es darum, die Mitarbeiter für diesen Problemkomplex zu sensibilisieren, Störungen am Schluckvorgang wahrzunehmen und die Bewohner einer umfassenden Dysphagiediagnostik zuzuführen.

Für die inhaltliche Aufbereitung und Umsetzung konnten zwei Experten/Fachtherapeuten gewonnen werden. Für den Bereich der Logopädie (Dysphagiediagnostik und -therapie) ist dies Eberhard Volker Prollius (niedergelassener Logopäde aus Bottrop mit dem Schwerpunkt Diagnostik und Therapie neurologisch bedingter Dysphagien) und Frau Beate Peddinghaus (examinierte Pflegefachkraft).

Beide besuchen u.a. die einzelnen Wohnbereiche, schulen die Mitarbeiter und geben praktische Hilfestellungen, um gemeinsam im interprofessionellen Dialog praktikable Lösungen für Verbesserung der Alltagssituationen zu erarbeiten.

Frau Peddinghaus ist es wichtig, dass sich die Pflegenden in die Situation der Bewohner hineinversetzen. Sie verdeutlicht aus ihrer Fachsicht, wie wichtig es ist, das Essen in einer möglichst aufrechten Sitzposition einzunehmen. Auch geht es um die Wahrnehmung der eine Dysphagie/Presbaphagie begleitenden Phänomene, wie außergewöhnlich häufiges Husten und Räuspern während und nach der Aufnahme von fester oder flüssiger Nahrung. Vereinzelt zeigt sich auch ein Festhalten von Flüssigkeit bzw. Nahrung im Mundraum. Dies erhöht immens die Gefahr einer Aspiration (Einlagerung von Speichel, Flüssigkeit und Nahrung) in die oberen Atemwege und kann im ungünstigsten Fall zu einer Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Verschlucken) führen. Das Mortalitätsrisiko ist damit gleichermaßen deutlich erhöht.

Das Durchbrechen dieser Gefahrenkette gelingt nur durch einen intensiven Dialog mit dem behandelnden Arzt/Facharzt und den Austausch mit allen beteiligten Berufsgruppen (Pflegefachkräfte, Fachtherapeuten). Die umfassende Information der Angehörigen bzw. Bezugspersonen gehört ebenfalls dazu.

Die “typische“ Reaktion der Pflege auf Schluckstörungen ist ein generelles Passieren aller Bestandteile einer Mahlzeit und ein Andicken (breiartig) aller Flüssigkeiten. „Dies ist weder ansehnlich („die Augen essen mit“), appetitlich und weit von einem Genuss an Essen und Trinken entfernt“, so beschriebt Eberhard Volker Prollius das bekannte Szenario. Daher gehört hier auch die Einbeziehung des Küchenpersonals in die Schulungsmaßnahmen mit ins Konzept der Fortbildungsreihe.

Dass jeder Bewohner die Zeit bekommt, um in Ruhe sein Essen und Trinken genießen und schlucken zu können, stets individuell sicher verarbeitbare Mengen (Teelöffel) zu sich nimmt/erhält und auch die Körperhaltung bestmöglich ausgerichtet wird, erscheint banal, ist aber die Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Ablauf und auch Ziel des versierten, professionellen pflegerischen Tuns.

Der interprofessionelle Dialog, eine differenzierte Sicht auf alle Abläufe und eine ständige Ergebniskontrolle bzw. Anpassung der relevanten Interventionen ist das A und O für das Bemühen um eine Verbesserung der Lebenssituation.