Weiterentwicklung und Qualität von Gesundheitsfachberufen gefährdet

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Die Hochschule für Gesundheit in Bochum wurde 2009 gegründet und wird aktuell von rund 1000 Studenten besucht. Sie ist die erste und bislang einzige staatliche Hochschule, die komplett auf Gesundheitsfachberufe ausgerichtet ist. Dort haben die angehenden Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Hebammen und Pfleger hervorragende Vorraussetzungen, sich gezielt auf den Berufsalltag und anstehende Aufgaben vorzubereiten. 

Jedoch wird diese positive Entwicklung aktuell von einer schwer verständlichen Entscheidung überschattet. Zwar werden die Studiengänge für zehn Jahre verlängert, jedoch nicht in Regelstudiengänge überführt. Dies wurde bereits vom Bundeskabinett befürwortet. Nicht nur der Verband tadelt diese Entscheidung, da durch diesen Beschluss die Weiterentwicklung von Therapieberufen verzögert bzw. akut ausgebremst wird. Auch aus der Sicht von Rektorin Anne Friedrichs ist dieser Entschluss ärgerlich. Die Entscheidung betrifft nicht nur die Hochschule in Bochum, sondern jede Universität und Fachhochschule in Deutschland, die eines dieser vier Fächer anbietet. 

Die Gesundheitsfachberufe

Alle nicht-ärztlichen und nicht-psychotherapeutischen Tätigkeiten lassen sich unter der Kategorie der Gesundheitsfachberufe einordnen. Um Berufe wie Pflege, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Geburtshilfe auszuführen, müssen drei Jahre Berufsausbildung und eine staatliche Prüfung erfolgreich abgeschlossen werden. Die 2009 begonnene Modellphase bietet Studiengänge im Bereich Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Geburtshilfe an. Für jedes Fach gibt es eine Vielzahl von Studiengängen. Allein für den Bereich Pflegewissenschaften gibt es ca. 100 Studiengänge. Wer all diese Kurse- und die staatliche Zulassungsprüfung besteht, erlangt anschließend einen akademischen Grad. 

Die Bewertung von 25 Modellstudiengängen in Deutschland hat ergeben, dass Pfleger und Therapeuten, die in Hochschulen ausgebildet werden, nicht unbedingt bessere Arbeit leisten, als jene die eine Berufsausbildung absolvieren. Schätzungen zufolge bekommen Absolventen von therapeutischen Studiengängen monatlich mehr Geld, als Fachkräfte ohne Studienabschluss.

Trotz vielerlei Kritik fallen die Bewertungen der Modellstudiengänge positiv aus. Deswegen haben die betroffenen Hochschulen kein Verständnis für die Entscheidung, dass diese Modellstudiengänge für weitere Jahre noch unter ,,Versuch’’ stehen und nicht als Regelstudiengänge übernommen werden. Um das durchsetzen zu können, müssen die Berufsgesetze für Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Geburtshelfer geändert werden. Dies ist mitunter schwierig, da solch tiefgreifende Änderungen ggf. andere Bereiche und Regelungen tangieren könnten. So sieht das auch Rudolf Henke, der CDU-Bundestagsabgeordnete, Arzt und Vorsitzende der Ärztegewerkschaft des Marburger Bundes. Es gäbe zu viele problematische Angelegenheiten, die ebenfalls noch gelöst werden müssen. 

Das Hauptmerkmal liegt darin, was der Pfleger, Ergotherapeut, Geburtshelfer, Logopäde oder Physiotherapeut wissen muss und wie sie dieses Wissen am besten gelehrt und verinnerlicht wird. Der Meinungsstreit um die Akademisierung ist aktuell ungeklärt, da die Bundesregierung noch zweifelt, ob eine akademische Ausbildung die Qualität der Pflege langfristig steigern kann. Es geht also in erster Linie nicht nur darum, so viele Pfleger wie möglich auszubilden, sondern eine allgemeine Qualitätssteigerung zu erreichen. Gut ausgebildete und qualifizierte Pfleger und Therapeuten sind auch deshalb enorm wichtig, um dem zukünftig wachsenden Bedarf in Bezug auf die demographische Entwicklung Deutschlands entsprechend gerecht werden zu können. Um dies umzusetzen, verlangt der Wissenschaftsrat, dass in Zukunft zehn bis 20 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs in Pflege, Therapieberufen und in der Geburtshilfe an Hochschulen ausgebildet werden sollen, da das Studium auf Tätigkeiten in der Wissenschaft, genau wie auf Managementaufgaben vorbereiten soll. 

Aus Sicht der Praxisleitung der Praxis für Sprachtherapie Prollius ist eine akademische Ausbildung der LogopädenInnen dringend erforderlich. Die modernen logopädischen Therapieansätze und die rasante medizinische Weiterentwicklung in Forschung, Diagnose- und Behandlungstechnik und Therapie in den für die LogopädenInnen relevanten Krankheitsbilder erfordern eine wissenschaftlich fundierte Diagnostik, Therapie und Evaluation, um den Bedürfnissen des Patienten gerecht werden zu können und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen.

Weiter Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Blogbeitrag vom 02.09.2016

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Sprachtherapie & Logopädie Prollius