Neue Leitlinien der Stotterselbsthilfe

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Was sind wirkungsvolle Stottertherapien und woran erkennt man sie?

Als wirkungsvolle Therapiemodelle werden in erster Linie Fluency Shaping (globale Sprechrestrukturierung) und in zweiter Linie die Stottermodifikation, bzw. eine Kombination aus beidem, durch die Leitlinie empfohlen, sofern sie in Form einer Intensivtherapie durchgeführt werden. Deutlich weniger effektiv gelten, objektiv kritisch betrachtet, unspezifische logopädische Bahandlungen in Einzelsitzungen.

Therapiemodelle mit Schwerpunkten wie Nachsorge gewährleisten eine dauerhafte Verbesserung der Sprechflüssigkeit. Verhaltenstherapeutische Komponenten während der Therapie mindern psychosoziale Folgeerscheinungen des Stotterns, welche sowohl in dem Stottermodifikationsansatz, als auch in Fluency shaping Ansätzen wie der Kasseler Stottertherapie (KST) sehr erfolgreich eingeflochten werden. „Logos interdisziplinär“ veröffentlichten Oases Daten der KST und bewiesen dies eindrucksvoll.

 

Aufklärungspflicht für Behandelnde

Als Behandelnde sind neben Fach- und Allgemeinärzten auch Logopäden/Logopädinnen an den §630 des Patientenrechtegesetzes gebunden. Dieser besagt, dass der/die Behandelnde verpflichtet ist, „..Patienten über sämtliche für die Einwilligung wesentlichen Umstände aufzuklären. Dazu gehören in der Regel insbesondere Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme, sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Diagnose oder die Therapie.“

Bei der Aufklärung ist auch auf Alternativen zur Maßnahme hinzuweisen, wenn mehrere gleichermaßen indizierte und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können. Ein Abweichen von den Leitlinien-Empfehlungen durch den Logopäden/ die Logopädin ist gegenüber Patienten/Patientinnen zu begründen und ggf. zu rechtfertigen.

 

Die Kasseler Stottertherapie: Evidenzbasiert und Leitliniengerecht

Die Kasseler Stottertherapie evaluiert und publiziert ihre Langzeitergebnisse entsprechend internationaler wissenschaftlicher Konventionen. Diese wurden nach systematischer Evidenz-Recherche für die medizinische S3 Leitlinie berücksichtigt. Das Therapiezentrum mit assoziierter Forschungseinheit (Parlo GmbH) entwickelt das Behandlungskonzept durch systematische Grundlagen- und Therapieforschung mit Universitäten und anderen Forschungspartnern ständig weiter.

Die Kasseler Stottertherapie wird in Präsenz (mit Online-Nachsorge) oder als reine Online-Therapie angeboten. Die Online-Therapie erwies sich, laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse genau so effektiv, wie die Präsenztherapie. Nach über 3000 Online-Therapiestunden liegen ausreichend Erfahrungen vor, die es ermöglichen, interessierten Logopädinnen und Logopäden auf Anfrage Weiterbildungen zum zertifizierten Online-Therapeuten anzubieten.

 

Leitfaden des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)

Parallel zur Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zusammen mit der BVSS und dem DBL einen Leitfaden zum Störungsbild Stottern herausgegeben. Dieser stützt sich nicht auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche in der Leitlinie aktuell veröffentlich wurden, sondern stattdessen bekannte, aber nicht evidenzbasierten Konzepte empfiehlt.
Er stellt somit keine offiziell anerkannte Handlungs- und Orientierungsempfehlung dar.