In welchem Alter sollte mein Kind sprechen?

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Die frühkindliche Entwicklung eines Menschen determiniert den weiteren Verlauf seines Lebens. Psychologen weltweit beobachten in groß angelegten Langzeitstudien den Zusammenhang der frühen Ontologie mit anderen Variablen, wie Bildung, späteres Einkommen und Lebenszufriedenheit. Ein Kind geht in den ersten elf Jahren seines Lebens die wichtigsten Entwicklungsschritte durch und erreicht mit zunehmendem Alter neue «Meilensteine», die ihm dabei helfen erfolgreich in das Leben zu starten.

Einer, wenn nicht der wichtigste Meilenstein, ist die Fähigkeit zum Sprechen. Im Durchschnitt können Säuglinge ab dem 18. Lebensmonat ihr erstes, klar verständliches Wort aussprechen. Meist ist das Wort eines, das dem Kind durchaus vertraut ist, wie zum Beispiel «Mama» oder «Papa».

Wie lernt ein Kind zu sprechen?

Die Fähigkeit zu Hören bildet die Grundlage für das Sprechen und entwickelt sich bereits im Mutterleib ab dem dritten Schwangerschaftsmonat. Die Akustik ist zwar weitgehend eingeschränkt und auch die kognitiven Fähigkeiten müssen sich noch entwickeln, jedoch kann das Baby schon die Stimme der Mutter, im Gegensatz zu einer fremden Stimme, unterscheiden. Liest die Mutter dem Embryo regelmäßig eine Geschichte vor, so erkennt dieser sie auch nach der Geburt. Nach der Niederkunft dienen vertraute Autoritätspersonen (in den meisten Fällen die Eltern) als Vorbild für die basale Sprachproduktion: Ein Baby experimentiert wie ein Wissenschaftler mit Silben, Konsonanten, Rhythmik und Tonalität. Das für uns unverständliche «ba ba ba», oder «geh geh geh» ist für den Säugling ein ernsthafter Versuch es den Peers gleich zu tun.

Zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat wird das erste, klar verständliche Wort gesprochen. In der Grundgesamtheit liegen die Werte normalverteilt, das heißt, dass Abweichungen nach unten oder oben hin völlig normal sind und man sich vorerst nicht zu sorgen braucht. Innerhalb kürzester Zeit baut sich das Kleinkind ein kleines Wortschatz Repertoire auf, wobei es durchaus zu Mehrdeutungen kommen kann. Ein Beispiel: Lernt das Kind das Wort «Hund», weil die Eltern einen goldenen Labrador haben, so nennt er den Labrador auch «Hund». Das Kind würde jedoch auch eine Katze, die es beim spazieren gehen sieht «Hund» nennen und zwar bis es merkt, dass die Kategorie «Hund» entweder ausgeweitet, oder enger spezifiziert werden sollte. Diese Akkommodation oder Adaptation, im Sinne einer Ausweitung oder Anpassung, nimmt enorm viel Zeit in Anspruch und wird bis zum Lebensende nicht völlig abgeschlossen sein.

Was tun, wenn mein Kind nicht spricht?

Problematisch wird es erst, wenn das erste Wort nach dem Erreichen des vierten Lebensjahres ausbleibt, denn dann könnte es sich eventuell um eine angeborene Sprachbehinderung (Broca- oder Wernicke-Aphasie) handeln. Eine Schädigung des Wernicke-Areals im Parietallappen bedeutet, dass die Wahrnehmung der Sprache nicht möglich ist. Obwohl das Kind einen hört, kann es aus dem Gesprochenen keinen Sinn schließen. Umgekehrt ist das klinische Bild bei einer Schädigung des Broca Areals im Frontallappen: Dabei ist die Sprachproduktion nicht mehr möglich und das Kind kann, trotz verstandenen Inhalt, sprachlich nicht reagieren.

Möglich wäre auch Autismus, eine sozio-psychische Erkrankung, die bei Kindern vor allem durch ihre fehlende soziale Kommunikation auffällig wird. In seltenen Fällen könnte es sich auch um eine psychische Störung handeln. Forscher fanden heraus, dass Kinder bei besonders traumatischen Erlebnissen in Kriegsgebieten deutlich später anfingen zu sprechen, als ihre gleichaltrigen «Peers» in friedlichen Gebieten. Wichtig wäre es dann umgehend zum Kinderarzt zu gehen und so früh es möglich ist zu intervenieren.

Wie kann ich meinem Kind helfen seine Muttersprache zu lernen?

Doch kehren wir wieder zurück zum neurotypischen Verlauf der Sprachentwicklung und widmen uns der allgegenwärtigen Frage, die uns Eltern immer wieder beschäftigt: Wie kann ich mein Kind beim Spracherwerb unterstützen? Gegen Rousseau’s Philosophie, die Kinder ihrem natürlichen Drang zu überlassen und sie «frei» entfalten zu lassen, ist es durchaus sinnvoll, seinem Kind eine unterstützende Hand zu reichen. Wenigstens so lange, bis dieser nicht mehr länger auf sie angewiesen ist.

Eltern können schon mit sehr wenig sehr viel bewirken, zum Beispiel durch das aktive Vorlesen. Dabei nimmt ein Elternteil ein Buch in die Hand und liest dem Kind daraus vor. Dieses muss jedoch am Lesevorgang beteiligt sein, in dem man mit dem Finger über die Stellen streicht, die gerade vorgelesen werden. So lernt das Kind, dass Wörter voneinander getrennt werden und, dass nach langen Wortsequenzen pausiert wird, etc.

Auch wäre es eine Möglichkeit Kindern schon im frühen Alter mit Meditation vertraut zu machen, wie es in ostasiatischen Ländern typisch ist; Meditation regt nicht nur die Kreativität an, sondern fördert auch das Konzentrationsvermögen und die Auffassungsgabe. Es kann auch problemlos in das Familienleben eingebaut werden und zu einem kleinen Ritual etabliert werden, was zusätzlich im Bezug auf die Eltern-Kind-Beziehung als förderlich erweisen kann. Auch sind Musik und Klatschspiele sehr effektiv, um dem Kind ein besseres Gefühl für die Tonalität und Rhythmik zu geben, die einen positiven Effekt auf die späteren Sprachfertigkeiten haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kinder schon früh beginnen sich mit der Welt vertraut zu machen. Das Sprechen ist eines der wichtigsten Meilensteine in der frühen Kindheit und sollte als solches nicht unterschätzt werden.

Der Sprache förderliche Maßnahmen sind:

  •         Aktives Vorlesen
  •         Meditation
  •         Musik, Klatschen


Denn jene Kinder, die diese wichtigen Entwicklungsschritte erfolgreich abschließen, haben die besten Voraussetzungen für eine positive, kognitive Entwicklung.

Ihre Praxis für Sprachtherapie Prollius